Hier
also die aktuellen Berichte von Jutta
und Anna aus Neuseeland.
Südinsel: 06.-24.10.2000
Nordinsel
Neuseelands: 22.10.-03.11.2000 !!NEU!!
Christchurch
Neuseeland - nahezu das Ende der Welt,
danach kommt nur noch der Südpol! Das könnte man denken - in
Wirklichkeit ist es ganz anders: Das Fleckchen Erde, auf dem man
übrigens am nächsten zur Datumsgrenze ist - ist gekennzeichnet
durch eine unglaublich überwältigende und vielfältige Natur:
Geflutete Täler, weidende Schafe auf sattgrünen
Hügellandschaften, Palmen vor schneebedeckten Bergkuppen,
Gletscher, die das Grün der Regenwälder auseinander reißen,
raue Steilküsten, Fjordlandschaften soweit das Auge reicht,
traumhafte einsame Strände in unmittelbarer Nähe zu Skipisten,
unaufhörlich arbeitende Vulkane, weite Ebenen voller
Obstplantagen und Weinberge ... hier sind einfach sämtliche
Naturwunder aller fünf Kontinente - quasi als ein "The best
of" - in diesem kleinen Inselstaat im Südpazifik
vereint.
Hin und wieder wird dieser riesengroße,
einmalige Nationalpark aufgelockert durch kleine und größere
Städte, in denen sich zahlreiche europäische Einflüsse finden.
In der Regel haben es sich diese Städte zum Ziel gesetzt, für
ein bisschen Action in diesem Abenteuerland zu sorgen: Vom
Bungyjumping über Fallschirmspringen aus allen erdenklichen
Höhen, diversen Spielarten des Rafting auf ober- und
unterirdischen Flüssen (im Fachjargon heißt das dann White- oder
Black-Water-Rafting), Heliskiing, Abseiling durch Wasserfälle,
Paragliden, Gletscherwalking, Iceclimbing, Jetboatfahren, Ski- und
Snowboardfahren u.v.m., was den Adrenalinspiegel und die
Reisekosten in die Höhe treibt, ist hier alles möglich! Vor
allem in Queenstown, der selbsternannten "ADVENTURE-CAPITAL
OF THE WORLD" wird der Wunsch nach jeglicher Art von Thrill
bestens bedient!!
Neuseeland insgesamt wirkt wie ein kleines
Naturwunder: "Four seasons in one day" ist hier nicht
nur ein geflügeltes Wort - tatsächlich ist es uns schon ganz oft
so ergangen, dass wir innerhalb eines Tages T-Shirt, Fleecejacke,
Mütze und Handschuhe gebraucht haben. Am Anfang hatten wir einige
Schwierigkeiten, 40 absolut sehenswerte Highlights in 30 Tagen
Neuseelandaufenthalt zu quetschen - aber selbst diese
Herausforderung konnten wir
meistern - haben einfach rigoros gestrichen, was definitiv nicht
ins Budget (zeitlich und finanziell) passte!!!
Und nun geht's so richtig los....
Gestartet haben wir unseren Trip in
Christchurch an der Ostküste mit Tagestemperaturen von 12 Grad
und Dauerregen. Um unsere Reisekasse für die diversen
Sportveranstaltungen hier zu schonen sind wir auf Tütensuppen und
Baked Beans aus der Dose umgestiegen - und gerade in dieser harten
Zeit hat man mir ein "unmoralisches Angebot" gemacht -
zum Glück war ich stark genug, es abzulehnen: Ich sollte - nackt
- als "Sushi-Tisch" herhalten! Für 200 NZ$ hätte ich
eine halbe Stunde lang in einem Restaurant liegen sollen und auf
meinem Körper hätte man Sushi für die Oberen Zehntausend aus
Christchurch serviert... Anna und ich haben nach diesem Angebot
kurz unsere finanzielle Situation überdacht und dann entschieden,
dass wir eigentlich doch gar nicht so schlecht dran sind und wohl
schon irgendwie ohne "Arbeiten" durchkommen werden.
Alles in Allem ist Christchurch ein
verschlafenes langweiliges Nest, in dem es zwar nette Leute und
Hostels mit gutem Frühstück gibt - viel mehr hat uns allerdings
nicht hier fasziniert.

Picton, Nelson
Weiter gings dann über Akaroa und
Picton, einem süßen kleinen Örtchen an der Meerenge zwischen
Neuseelands Nord- und Südinsel mit tollen Wanderwegen durch die
Fjorde nach Nelson. Hier sind wir durch den traumhaften
Abel-Tasman-Nationalpark gestiefelt - wie hätte es anders sein
können ebenfalls bei strömendem Regen - solange uns unsere
Füße getragen haben und unsere Jacken wasserfest geblieben sind.
Die Landschaft ist hier teilweise so unwirklich grün, dass ich
das Gefühl hatte, als befände ich mich in einer gemalten
Theaterkulisse oder auf dem Gelände einer HO-Spielzeugeisenbahn
(diejenigen von euch, die diese Eisenbahnen kennen, werden
verstehen, was ich meine...).
Hier wimmelt es nur so von
Delphinen, Seelöwen, Papageien, Kiwis (der Nationalvogel
Neuseelands), Albatrossen, Hundertschaften von Schafen und allem
möglichen anderen Getier, wie es vielfältiger nicht sein
könnte. Die dazugehörige Bootsüberfahrt in den Nationalpark war
mal wieder die Hölle - lediglich die Kotzanfälle unserer
Mitreisenden sind diesmal im Gegensatz zu unserer letzten
Bootsfahrt in Australien ausgeblieben. Schon allein das war
wenigstens ein kleiner Lichtblick am verregneten Himmel
Neuseelands.
Größere Lichtblicke waren hingegen diverse
abendliche Apfelkuchen und alkoholische Getränke vor offenen
Kaminfeuern in den wirklich tollen Hostels mit anderen Travellern
...
Franz-Josef-Gletscher,
Arthurs Pass
Langsam aber sicher sind wir dann in die
neuseeländischen Alpen vorgestoßen. Und hier wars dann definitiv
auch für mich an der Zeit, mir Handschuhe zuzulegen. Wir haben am
Franz-Josef-Gletscher voller Abenteuerlust an einem Gletscherwalk
teilgenommen - ausgerüstet mit Spikes und Pickel sind wir durch
Gletscherspalten gestiefelt und haben versucht, beim Iceclimbing
eine möglichst gute Figur zu machen. Stark war, dass es auch an
diesem Tag mal wieder wie aus Eimern geschüttet hat und somit
unsere Körpertemperatur der des Gletschers ziemlich erschreckend
nahe kam. Aber was uns nicht umbringt, macht uns ja bekanntlich
nur härter!!! (Ganz so entspannt sind Anna und ich bei diesen
Bedingungen leider nicht geblieben, so dass wir den Gletscherwalk
zwar als einschneidendes, aber nicht unbedingt bestes Happening in
Erinnerung behalten werden. Schade, denn dass, was bei
einigermaßen akzeptablen Bedingungen daraus hätte werden
können, hat sich nur zu fantastisch angehört!!)
Um diesen Fehltritt wenigsten ein bisschen
auszubügeln sind wir am nächsten Tag zum Arthurs Pass, einem
Tal, dass durch 2000er Berge begrenzt wird, aufgebrochen und bis
zur Schneegrenze hochgestiefelt. Bei strahlendem Sonnenschein hat
uns das auf jeden Fall für den vorherigen Tag entschädigt. Die
100 km Entfernung zurück zum Hostel haben wir per hitch-hike
zurückgelegt - und dabei ein ziemlich verrücktes englisches
Pärchen kennengelernt. Wir haben alle 2km angehalten und unser
Fahrer ist auf sämtliche Bäume zwischen Greymouth und Arthurs
Pass geklettert, um Flora und Fauna dieser Region zu studieren.
Ganz groß!
Aber es sollte noch besser kommen:
Irgendwann mussten wir uns von den Engländern verabschieden, weil
sich unsere Wege trennten - und Anna und ich hatten großes
Glück: Auf dieser relativ wenig befahrenen Strasse haben gleich
zwei Kleinbusse angehalten, um uns mitzunehmen! Leider haben wir
viel zu spät gecheckt, dass es sich bei den Bussen um das
Betreuerteam eines gerade stattfindenden Marathonlaufs zwischen
der neuseeländischen Ost- und Westküste handelt. Fazit: Die
letzten 40km unseres Ausflugs haben wir in einer Geschwindigkeit
von 20 km/h zurückgelegt, weil die Busse in unmittelbarere Nähe
ihrer Läufer bleiben wollten!!! Als echte Tramperprofis werden
wir somit wohl kaum in die neuseeländische Geschichte eingehen!!
Queenstown
DAS Zentrum der adrenalinsteigernden
Fallsucht!!
Sind bei Sonnenschein in Queenstown
eingefahren, mit Blick auf 3000er schneebedeckte Berge - was uns
natürlich unweigerlich ein bisschen an unsere (Wahl-)Heimat
erinnert und uns kurz in eine Welle des Heimwehs gestürzt hat!
Das schnuckelige Skiörtchen nennt sich selbst "adventure
capital of the world" - denn hier ist jeder Spaß zu kriegen,
der nur annähernd was mit ADVENTURE zu tun hat. Wer auf Thrill
jeglicher Art aus ist, wird hier bestens bedient!
Das Motto dieses einzigartigen
Abenteuerspielplatzes lautet demnach unverblümt: HÖHER,
SCHNELLER, NASSER! Über Paragliden, Fallschirmspringen, Kajaken,
Raften, Jetboat, Snowboarden, Downhill gibts hier alles, wirklich
alles!!
Berühmt ist Queenstown u.a. dafür, dass
hier seit 1988 die erste kommerziell betriebene Bungyjumpanlage
betrieben wird (im Original springt man hier aus 43 m (Kawarua-Bridge)
- mittlerweile sind aber auch sämtliche anderen Höhen bis 102 m
erprobt!) An der historischen Brücke haben Anna und ich leider
nur auf der Aussichtsplattform gestanden - für den Sprung gen Tod
hatten wir schon beide zuviel Schiss in der Hose!! Nichts desto
trotz: Das Surrounding für solch einen Nervenkitzel stimmt hier
allemal - man sollte nur daran denken, diverse Autoschlüssel und
andere Erinnerungsstücke möglichst noch vor dem Sprung aus den
Hosentaschen zu nehmen - selbst dazu sind hier eine Vielzahl der
Traveller zu bekloppt!!
Anna und ich haben hier unser Leben kurz
anderweitig auf Spiel gesetzt: Haben uns mit einer
Propellermaschine über die Neuseeländischen Alpen und über die
berühmten Fjorde (MILFORD SOUNDS) fliegen lassen - und nahezu
zwei Stunden lang ununterbrochen zum Himmel gebetet!
Das Fliegen an sich war eigentlich OK - das
Wetter hätte schlechter sein können und die Aussicht auf die wie
mit Puderzucker bestreuten Gipfel, zerflügt durch grünblaue
Wasserläufe und Seen war atemberaubend. Erschreckend war nur,
dass wir vorm Start diverse Löcher in der Passagierkabine mit
Papier ausstopfen mussten und unser Pilot ziemlich unverblümt
damit angegeben hat, dass seine eigentliche Profession ja das
Skifahren sei und dass er sich seines Zeichens früher sein Geld
als Skilehrer in den deutschen Alpen verdient hat....
Jetzt möchte ich an diesen Flug lieber
nicht mehr im Detail zurückdenken - auf jeden Fall hat sich das
alles für die einmalige Aussicht auf jeden Fall gelohnt.
Nordinsel
Neuseelands: 22.10. bis 03.11.2000
Voller Hoffnung auf wärmere Gefilde sind
wir Richtung Norden gestartet. Nach einem kurzen, relativ
unbedeutenden Stop in Neuseelands Hauptstadt Wellington gings dann
querfeldein nach Taupo - Neuseelands grösstem See, der sich
unübertrefflich für jegliche Art von Wassersport eignet. (Dort
gibts sogar ne Driving Ranch direkt in den See - und am
Abend werden Taucher in den See geschickt, um sämtliche
Golfbälle wieder vom Grund des Sees einzusammeln...).
Der Regengott hatte Erbarmen und so konnten
wir uns - da wir ja schon sämtliche Wassersportaktivitäten in
Australien grosszügigerweise mitgenommen haben - uns relativ
problemlos anderen mehr oder weniger risikoreichen Spassbringern
wie skydiven (www.skydive.net.nz)
und Tongariro Crossing widmen: Der Tandemsprung aus 12.000 Fuss
(3.500 m) war irre - alleine unsere Lehrer und der Flug bis zum
alles entscheidenden Absprung waren bereits ihr Geld wert. Sind
dann in Loopings und anderen Spässen nach 40 Sekunden freiem Fall
durch watteweichstes Frau Holle-Revier mit unschlagbarem Blick
über den See gen Erde geschaukelt - und für den Rest des Tages
war das Dauergrinsen auf unseren Gesichtern garantiert. Einfach
unbeschreiblich!
Verstärkt und immer wieder aufs Neue
aufgefrischt wurde dieses einmalige Gefühl dann zusätzlich durch
den Hipe, der in Taupo ums Fallschirmspringen gemacht wird: In
sämtlichen Bars gibts auf überdimensionalen Leinwänden
verrückte Videos mit noch verückteren Springern - so etwas kann
einfach niemanden kalt lassen!!!
Am nächsten Tag stand Tongariro Crossing
auf dem Programm, ein 17km Tageswalk quer durch Vulkanlandschaft,
der als schönster Trip ganz Neuseelands gehandelt wird. Die
Gegend um Taupo bzw. Neuseeland im allgemeinen gilt übrigens als
eine der vulkanisch aktivsten Regionen der Erde!! Jeden zweiten
bis dritten Tag wackelt es dort merklich!!!
(Wellington z.B. ist mindestens genauso gefährdet, von dem
Wahnsinns-Erdbeben, auf das die Experten warten, heimgesucht zu
werden, wie San Francisco - wer hätte das gedacht??).
Nun ja, zurück zum Crossing: Wir hatten
Glück, denn das Gebiet ist nur bei absolut optimalen Bedingungen
begehbar - und wir hatten sie!! Die das öde Plateau umgebenden
Berge standen teilweise frei vor blauem Himmel und Bergseen in
Vulkankratern stachen in knalligem Türkis aus dem Grau der
Geröllhänge hervor - ein ziemlich stranges Bild. Zwei
Tage später ist eine andere Gruppe von Travellern gestartet - mit
bösem Ausgang: Ein plötzlicher Wetterumschwung hat
sie erwischt - und seit diesem Tage wird eine 21jaehrige
Engländerin vermisst, die im starken Nebel wohl vom Weg
abgekommen ist. Von ihr fehlt bis heute jegliche Spur...
Zur Erholung haben wir mittlerweile Sonnenentwöhnten uns
anschliessend ein paar Tage Strand an der Ostküste (Bay of Plenty)
gegönnt. Hier haben wir auch in dem berühmten Hot-Water-Beach
gebuddelt: Heiße Quellen sprudeln bei Niedrigwasser an einem
engbegrenzten Abschnitt des Strandes aus dem Sand. In dieser Zeit
kämpfen Schaufelbewaffnete gegen Mitstreiter und Wellen, um sich
einen eigenen "hot spa" zu graben (mit bis zu 60 Grad
warmem Wasser) und darin dann Wein, Bier oder einfach nur dummes
Geschwätz zu genießen.
Weiter gings über Auckland, der Stadt der Segel, ins sogen.
Northland, wo ebenfalls mal wieder die Sonne für uns scheinen
sollte. Von Paihia aus hab ich sofort die Gunst der Stunde genutzt
und mich zu einem Segeltrip in den
wunderschönen Bay of Islands entschlossen. Skipper und She´s a
lady haben alles gegeben, so dass ich mich unweigerlich an die
absolut starke Zeit mit Ellie und Katja in den Whitsundays
(Australien) erinnert habe. Cape Reinga, Neuseelands Nordcup,
Ninety-Mile-Beach (der größte Sandkasten der Welt) sowie Kauri,
die ältesten, größten und dicksten Bäume dieses Planeten,
haben diesem fantastischem Fleckchen Erde letztendlich dann den
absolut krönenden Abschuss verliehen - uns ist einfach so gut wie
nichts entgangen.
(Nachtrag: Und während wir in den ersten
Wochen auf dieser mit Nationalparks nahezu gepflasterten Insel mit
Alkohol ziemlich sparsam umgegangen sind, haben wir uns in den
letzten 10 Tagen rege - und sehr erfolgreich bemüht - das Image
der safttrinkenden Deutschen abzulegen und im Vergleich zum
internationalen Backpackerstandard eine relativ gute Figur zu
machen.)
Mein FAZIT: Neuseeland ist ein einfach umwerfendes grünes
Fleckchen Erde mit absolut verrückten Leuten, die den
Adrenalinstoss brauchen wie andere die Luft zum Atmen!!! Und
gerade das macht sie zu so angenehmen
Zeitgenossen!!!
[Webmaster: So!
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